JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert.
Sie können manche Teile der Website daher leider nicht verwenden.
Titel wurde in den Warenkorb gelegt
titel
Titel wurde auf den Merkzettel übetragen
titel
schlie?en
drucken

Ein Motor für Reformen

Gerhard Münster

Gerhard Münster
© Privat















Als Legist im Bildungsministerium begleitet
Gerhard Münster seit fast 30 Jahren die Bildungsreformen
des österreichischen Schulsystems – privat mag er Oldtimer.

In der Wiener Innenstadt gibt es verkehrstechnisch neuralgische Punkte. Zum Beispiel die Kreuzung Freyung mit Tiefer Graben. Da schlendern Fußgänger über den Zebrastreifen, kämpfen Fahrräder mit Autos um den Vorrang, um es vor den klappernden Fiakern in die enge Strauchgasse zu schaffen.

Direkt über diesem Verkehrsknotenpunkt ist das Büro von Gerhard Münster, Leiter der Präsidialabteilung 10 im Bundesministerium für Bildung. Er arbeitet seit 28 Jahren hier – und findet diese Kontinuität fast ein bisschen altmodisch. Doch er beherrscht eben sein Handwerk, sagt er. Münster gießt seit Jahrzehnten die Bildungsreformwünsche der wechselnden Regierungsparteien in gesetzliche Rahmen. „Was zu Beginn meiner Laufbahn eine relativ übersichtliche Angelegenheit war, ist mittlerweile sehr dicht geworden“, sagt er und wenn sich ein Gesetz verändert, sei ja fast immer alles betroffen. Er zeigt eine lange Liste an Schulgesetzen, die erst vor wenigen Wochen kundgemacht wurden. „Dabei steht die neue Regierung mit neuen Ideen ja bereits in den Startlöchern“, sagt er kopfschüttelnd, „die Schulen würden etwas Ruhe brauchen“, ist er überzeugt – „und die Lehrer Anerkennung.“

Durch das Fenster mit Blick auf das Kunstforum Austria blendet die herbstliche Abendsonne herein und wirft ihr Licht auf viele seltsame Objekte, die hier im Arbeitszimmer versammelt sind. Eine Sammlung von Papierlochern zum Beispiel, eine Heftklammermaschine mit einer Drahtspule, eine Briefwaage. Dazwischen stehen kleine Modellautos und Spielzeugroboter.

Seine Leidenschaft für Maschinen geht zurück in seine Kindheit. Gerhard Münster, geboren 1961 in Wien, wuchs mit zwei Brüdern in einer Lehrerfamilie in Groß-Enzersdorf auf. Die Buben reparierten Motorräder aller Art. „Wir haben alles Mögliche und Unmögliche neu zusammengebaut“, sagt er, und in Wirklichkeit fasziniert ihn das heute noch ganz genauso. Einziger Unterschied zu früher: Gemeinsam mit seiner Frau leistet er sich eine Halle für ihre vielen Gefährte. Sein liebstes Modell: Ein Mercedes 250 SL Cabriolet. Sein schönstes: Ein Mercedes 190 SL, „der gehört aber meiner Frau“, sagt er, sie habe „gottseidank denselben Spleen wie ich.“ Sie hat Verständnis für zwei Feuerwehrautos, mehrere Traktoren und einen Autobus – „alles Unikate, diese Modelle hat keiner mehr in Österreich.“

Münster ist auch ein leidenschaftlicher Fahrer, seit 1995 Führerscheinprüfer in Wien. Eine der schönsten Erinnerungen an seine Studienzeit ist seine Arbeit als Lastkraftwagenfahrer. Es war einer von vielen Jobs, mit denen Münster sich sein Jus-Studium finanzierte. 1987 war er fertig und begann nach dem Gerichtsjahr im Bildungsministerium.

Seine zweite, jetzige Frau Andrea Götz lernte er hier kennen. Sie leitete die Schulrechtsabteilung und hatte ihr Büro direkt nebenan. Sie war bei MANZ für die Loseblattsammlung „Schulrecht“ verantwortlich. Als Götz gesundheitsbedingt vor fünf Jahren in Pension gehen musste, hat Münster die Hauptverantwortung übernommen. „Wir machen es gemeinsam“, sagt er. Die beiden teilen auch ihre Präferenzen für ausgedehnte Autoreisen, erst vor Kurzem sind sie von einer fünfwöchigen Griechenlandrundreise zurückgekommen. Schon die Fahrt „runter über den Balkan“ sei ein Traum, schwärmt er – und ja, eigentlich wollen die beiden in Zukunft öfter solche Abenteuer unternehmen.

Eine abschließende Frage: Wie war eigentlich Münsters eigene Schulzeit? „Schrecklich“, sagt er. In seiner Klasse im Gymnasium im 21. Wiener Gemeindebezirk terrorisierte eine ungute Bande die Gemeinschaft, die Lehrer schauten mehr oder weniger tatenlos zu. „Ich war nach der Matura bei keinem einzigen Klassentreffen“, sagt er und wechselt das Thema. Amüsant findet er, dass seine Tochter – Münster hat zwei Kinder aus erster Ehe – in einem Nachhilfe-Institut arbeitet.

Wer Gerhard Münsters Humor verstehen will, der muss nur einmal im Ministerium auf der Freyung vorbeischauen. Auf der Besucherseite des Schreibtisches klebt ein Zettel an der Tischkante. „Jeder Mensch hat ein Recht auf meine Meinung“, in einem Ministerium ist das reichlich witzig.
 


Karin Pollack

 
  • Andrea Götz; Gerhard Münster

    Die österreichischen Schulgesetze inkl. 50. Lfg.

    Bundesrecht mit einschlägigen verfassungsrechtlichen Regelungen und Durchführungsvorschriften.

    MANZ Verlag Wien
    ISBN: 978-3-214-13583-6 - Loseblatt-Sammlung
    2236 Seiten, Kpl.- 50. Lfg. + 2M, 2017
    198,00 EUR inkl. MwSt.
    Sofort verfügbar oder abholbereit
    Auf den Merkzettel In den Warenkorb